Arki's Blog – Wer alles glaubt, muss nichts wissen.

20. Juli 2008

Die Liebe hat ausgedient

Filed under: Wirres Zeug — mrarkadin @ 04:33
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Oder: Wie ein Überleben in der Marktwirtschaft.

Relaunch – das ist das Zauberwort. Umstellen, allles neu machen, sich neu erfinden. Nein, alles besser machen. So, wie es bisher war, kann es nicht weitergehen. Alles war schlimm, alles war schlecht, nun wird alles besser. 10 Jahre lang wurde herumgedoktert, jetzt werden endlich Nägel mit Köpfen gemacht, voll aufgedreht. Jetzt werden Erfolge geschrieben. Denn Erfolge will man sehen, vor allem die neuen Gesellschafter, wird ja schließlich nicht für umsont Geld ausgeben.
Man möchte endlich ein Gesicht haben, ein Profil.

Nach 7 Jahren Verlustgeschäften á la Giga Green oder Giga Real, 7 Jahre lang an Konzepten hermgebastelt, um in die schwarzen Zahlen zu kommen, ohne Erfolg. Und mittlerweile ist man sowieso schlauer, und man weiß – Gaming, nichts bringt so viel Gewinn ein, wie Gaming, nichts verkauft sich besser, als Gaming. Die Zukunft ist Gaming. Denn schließlich haben ja die großen Erfolge wie Giga Games die hoffnungslose Konkurrenz Giga Green in den Schatten gestellt. Gaming, das Erfolgsrezept für das Hause Giga
Denn, ein Thema ist immer da, Games gibt es immer, sie werden von den Herstellern quasi frei Haus geliefert, und wird für ein mittelmäßiges Spiel noch eine Spezial-Sendung präsentiert, gibt es noch ein paar Groschen obendrauf, klappt mit Filmen ja gleich prima. Einfacher Programm & Werbung vermischen, das geht gar nicht.
Aber für die Sponsoren will man natürlich so attrakriv sein, wie möglich. Ein rundes & spezielles Programm, speziell für die Zielgruppe Gamer ausgerichtet, das ist toll. Und da passen natürlich nicht alle bisherigen Sendungen rein, ins Bild, des „typischen Gamers“. Dies kann noch bleiben, das kann weg, diese Sendung könnte man auch für-Gamer-Interessant hinstellen, ein Film-Format, damit lässt sich ja weiterhin in die Vorstellungen Werbung platzieren, und Pokern, ist zwar stinklangweilig, interessiert auch keinen, bringt aber auch schön Geld -> kann auch bleiben, bis auf weiteres. Okay, ist zwar Quatsch, wieder eine Schublade aufmachen zu wollen, der „typische Gamer“, interessiert sich nur für das & das, verhält sich so & so, und am besten noch ein ganzes Verhaltensmuster zeichnen. Die typischen Einschaltquoten sind, wie jeder weiß, auch nur eine hypothetische Abzeichnung der realen Welt, kaum mit Wahrheitsgehalt verbunden, aber trotzdem wird immer noch fast ausschließlich darauf gezählt, denn, es ist gut greifbar.
Und das ist dem Mensch am liebsten, für komplexe & schwere Sachverhalte eine einfache Definition zu finden. Sauber in Kisten und Schubladen verpackt. Da ist ein Durchfinden viel einfacher. Sie lässt sich simpler zu handhaben, und besser verstehen.
Und da ja der Gamer den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat, als zu zocken, und sich mit nichts anderem beschäftigen möchte, so lässt sich ein Programm zumindest besser verkaufen. Wer braucht dann schon Gefühle, wer braucht das Leben.
Für Gamer, von Gamer, nichts anderes.
Und so ist man sich im Hause Giga sicher, in letzter Zeit schon nur noch vorwiegend auf Gamer-Pfaden unterwegs gewesen, zur vollständigen Erfogsstory muss Ballast abgeworfen werden, der Überschuss muss weg, alles, was als Verkauf des reinen Gaming-Senders im Wege steht. Umstrukturieren, umbauen, umschmeißen. Beim Hobeln fallen Späne, beim Häusle-Bauen bleiben Steine übrig, beim Tapezieren ein Rest Tapete, ohne weiteren Zweck. So schöne blumige Umschreibungen wie „Gesundschrumpfen des Teams“, „Einige Mitarbeiter gehen einen anderen Weg, als der Betrieb“. Das Pseudonym für Kündigung.
Ein harter & schmerzvoller Eingriff. Für einen „interaktiven Sender“, auf die Zuschauer aufbauend, ist wichtig: wie ist es diesem Nahe zu bringen. Denn, so weiß man, es kommt dabei nicht darauf an, was dieser will, sondern ihm Glauben zu machen, was er will.
Und schließlich hat man auch M. Schlieper. Er weiß, welche versöhnenden Worte in welcher Situation angebracht sind, und ist nicht zuletzt eine kleine Ikone der Giga-Geschichte. Zu ihm gibt es mehr Vertrauen, als zu einem unbekannten Peter aus der Redatktion. Und in User einlullen hat er schließlich schon seit 10 Jahren Erfahrung, mit Erfolg.
Und er weiß, es ist sansftes Händchen angesagt, 5 Mitarbeiter verschwinden an einem Tag, ein harter Schlag für den geneigten Zuschauer, dieser ist wütend, traurig, fasst es noch nicht so ganz.
Und, er weiß, in diesen Momenten ist eines vonnöten, dieses eine braucht der Mensch unbedingt: Beruhigung. Alles ist super & toll, für die Zukunft ausreichend gewappnet, und, Mitarbeiter gehen einen anderen Weg, ist normal, nichts außergewöhnliches, leider. Und eines ist vor allem wichtig: keine richtigen Hintergrundinfos. So kann jeder zu Recht behaupten, es wurde sich seitens Giga geäußert, ohne die wahren Hintergründe zu erfahren, gut gemacht! Und was sonst noch so alles hinter den Kulissen los ist, lieber nichts sagen. Kurz: Nur schöne Worte, ohne mit Erklärungen auf Fragen einzugehen. Klingt zwar doof, funktioniert aber.
Und nach der Beruhigung wird vor allem auf eines gesetzt: das Vergessen. Weil das kann der Mensch ja am besten, vergessen & verdrängen.
Die beste Methode, sämtliche Formate nicht mehr fortsetzen zu müssen, ohne großes Mucken: erst gar nicht einstellen. Hat mit dem Prototypen der nie endenden Winterpause einer Sendung ja schließlich auch super funktioniert. Einfach in einer Sommerpause schicken, man muss nichts erklären, sich für nichts verantworten, sie kommen einfach nicht mehr wieder, dafür sind nun viele andere Formate da. Viel neues und interessantes zu entdecken, neugierig machen, auf das, was kommen mag, wem interessiert da schon das Davor.
Inszenierung geglückt, die Opfer sind gebracht. Und die Verlierer sind eh schnell vergessen, an die wird sich bald keiner mehr erinnern, bis auf deren Fans, und die ist man eh genauso schnell los, die sind auch bald vergessen, zumindest öffentlich, im Forum.
So klappt das, überall.

Das Fernsehen. Eine Aneinanderreihung an Pseudo-Dokusoaps, Gerichts- & Talk-Shows, Quiz‘ am laufenden Band. Darstellerinnen in Pseudo-Pornos bekommen ihre eigene Serie, Dumm & Blöd werden als Überlebensexperiment auf das offene, große Land geschleppt, untalentierte Sänger(innen) dürfen ihr Nichtskönnen unter Beweis stellen, verachtend fertig gemacht werden, und der/die Glückliche sogar noch als Bonus als Ich-mache-eine-Platte-bringe-Geld-und-verschwinde-in-die-Versenkung-Wunder verheizt werden. Hauptsache schnell & billig produziert, und überfordern, das will man seine überlebenswichtigen Quoten ja auch nicht.
Angesagt sind Moderatorinnen, die ins Bild der dummen Blondine passen, zum aufgeilen. Eine intelligente, talentierte & liebevolle blonde Moderatorin hat es da deutlich schwerer.

Schau niemals zurück, blicke immer vorwärts. Gehe, Schritt für Schritt, nach vorne. Die Vergangenheit ist vergangen, die Zukunft ist wichtig. The Big Clock dreht sich unaufhörlich weiter, sie nimmt dich mit, Rad für Rad, Zahn in Zahn. Das System ist in sich geschlossen. Kein Entkommen. Die Zeit verrinnt.

Die Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus denen wir nicht vertrieben werden könne. Aber wie viel sind diese wert.

Links: Giga.de

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