Arki's Blog – Wer alles glaubt, muss nichts wissen.

23. März 2009

Wie man sich eine Tragödie zu Nutzen macht

Filed under: Politik,Wirres Zeug — mrarkadin @ 01:21
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Schreibfaul zwar, aber die Gelegenheit sehen, auf dem Zug über das ganze Killerspieler-Gefasel aufzuspringen

Ein Junge läuft in seiner ehemaligen Schule Amok, und erschießt 15 Menschen. Ein zerstörendes Szenario.
Die Welt muss davon unterrichtet werden.
Doch leider ließ die Art & Weise der „Berichterstattung“ und „Aufarbeitung“ einige Befürchtungen zu, und übertraf diese sogar.

Besonders der Amoklauf in Erfurt vor einigen Jahren dürfte vielen in Erinnerungen geraten sein. Auch dort mussten „Motive“ und „Erklärungen“ hervorgeholt werden.
Die, in dieser Zeit erfundene, Bezeichnung „Killerspiele“ – man sollte meinen, schon die billige Polemik in dieses Ausdrucks sei auf die BILD zurückzuführen, doch tatsächlich ist es gerade von Politikern ein gern genutzter Begriff.
Und die Frage nach dem „Motiven“ und „Gründen“ des Amokläufers, welche Erkenntnisse wurden gezogen?
Eine direkte Antwort war eine drastische Verschärfung des „Jugendschutzes“, noch härtere Vorgaben für die Freigabe von Filmen & Videospielen.
Getreu der simplen Logik folgend: Jugendliche „verrohen“ durch „gewaltverherrlichende“ Spiele, und seien gewaltbereiter & aggressiver.
Nun taucht diese These (in der Zwischenzeit in gewissen Abständen auch immer wieder) natürlich wieder besonders stark auf.
Auch der Amokläufer in Winnenden spielte gerne (wie auch in Erfurt) Spiele wie „Counter-Strike“ Eine offensichtliche Parallele, welche auch sofort gerne angewendet wird, um den gierigen Zuschauern schnell & einfach „Erklärungen“ zu liefern – und den nötigen Inhalt, welcher nötig ist, die ganzen überlangen Sendungen über den Amoklauf zu füllen. Es ist lukrativer, auf den Zug aufzuspringen, als sich auch mit anderen (wichtigen) Themen zu beschäftigen.
So werden immer wieder die gleichen Aussagen getroffen, zum Tatort hin – & hergeschalten, und vermeintliche Experten eingeladen.
Ein einziges Hickhack nur um „Killerspiele“.
Dabei werden einige „unwichtige“ Einzelheiten verdrängt:
In Deutschland gibt es schon die wohl weltweit strengste Gewaltzensur für Spiele & Filme – selbst die Grenzen für eine Freigabe ab 18 sind sehr hart. Und zudem wurde das „Jugendschutzgesetz“ – rein zufällig – kurz vor dem Amoklauf in Winnenden noch einmal deutlich verschärft (mittlerweile ist ja sogar die Rede von „Gewaltbeherrschend“ statt „verherrlichend“).
Die „Ego-Shooter“ mögen auch erst einmal – unwissend und auf dem ersten Blick – eine Parallele zwischen den Amokläufern zu sein, aber sind diese unter den Jugendlichen stark verbreitet.
Auch sollte man sich die Frage stellen, warum gerade in Deutschland und den USA die „Amoklaufrate“ so hoch ist.

Doch das Traurige ist tatsächlich: in Wirklichkeit geht es gar nicht darum.
Für die Medien und Politiker ist es vor allem ein gefundenes Fressen. Es geht für die sensationsgeile Presse darum, das Ereignis bestmöglichst auszuschlachten. Es wird überhaupt nicht versucht, zu klären, welche Auswirkungen PC-Spiele haben (könnten). (und auch auf soziale/gesellschaftliche Zusammenhänge besteht kein Interesse)
Der Masse wird vorgeführt, wie stark doch gegen diese „menschenverachtenden Spiele“ vorgegangen werden wird. Wahlkampf auf dem Boden einer Tragödie. An jeder auch sich nur kleinsten gegebenen Gelegenheit wird diese Beschlossenheit beteuert, sogar auf der Trauerfeier am Samstag.
Es ist pervers. Ein Schrecken wird für einem Medienrummel ausgenutzt. Und wird auch von den Politikern gerne als weiterer Nährboden für ihren Plänen genutzt, um die Menschenrechte immer weiter abzubauen.
Dabei lassen sich aber nicht nur für „Verschwöhrungstheorien“ Ungereimtheiten finden, es sich aber keine Mühe gegeben wird, diese zu klären.
Für die Ausbeutungsschlacht – wobei die Grenze zwischen der Boulevard-Presse und der „seriösen“ Presse immer mehr verschwimmt, ist selbst eine Inszenierung des Geschehens der Journalisten nicht zu viel. Hier auch ein sehr treffender Kommentar zur Berichterstattung, leider ist zur Satire wirklich schon fast keine Übertreibung mehr notwendig.
Ach ja, und zu den Schützenvereinen, bei denen vor einer starken Lobby der Schwanz bei dem ganzen Theater eingezogen wird (das Waffengestz ist ja streng genug), sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, was Herr Grafenberger zum Thema ablässt.

Aber noch etwas zum Thema Schule, wo alle in diesen Tagen bei diesem sind – oder genauer gesagt: zum bröckelndem Bildungssystem (nur ein kleiner Aspekt davon), über dem viel lieber (zugunsten zur Heuchelei über „Killerspiele“) hinweg geschwiegen wird.
Ein gewisser Herr Pfeiffer hat ja vor kurzem mit seiner Studie geschockt, rund 14% der Jugendlichen seien „sehr ausländerfeindlich“
Bei einer Doku die Tage über Mussolini fiel mir mal wieder auf, das ich die davor fast gar nichts über ihm und seinem Faschismus wusste. In der 10. Klasse wurde noch gerade so (und nur grob) das 3. Reich & Hitler behandelt. Und dann sich wundern, das die Jugend keine Ahnung über diese Zeit hat/haben soll?
Mal abgesehen davon, das Herr Pfeiffer den Befürwörtern eines Verbots von „Killerspielen“ gerne Nahrung gibt, mit Studien, welche eher fragwürdig sind.
Aber vielleicht ist man in der Regierung auch froh über das Fehlen des nötigen (Geschichts-)wissens.

Die Medien sollten sich über diese miserable und „Berichterstattung“ (bis auf leider nur wenigen Ausnahmen) schämen. Es ist eine Schande, das der Bevölkerung der Missbrauch dieser Tat seitens der Politiker, um die Abschaffung der Menschenrechte und dem Ausbau der Zensur zu rechtfertigen, nicht durchschaut. Im Gegenteil, wird doch alles für die Boulevard-Gesellschaft inszeniert.
Angst & Hass werden auch hier wieder gezielt geschürt. Gebt der Meute, wonach ihr durstet.

Statt Anteilnahme an den getöteten Menschen wird sich dieses Massaker zum Nutzen gemacht.

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1 Kommentar »

  1. Mich wundert gar nichts mehr – Fefe sei Dank! Jede noch so blöde Studie kann sich jeder in… …die Schnellstartleiste schieben! Aber am traurigsten daran ist, dass der Normaldeutsche alles mit sich machen lässt: er lässt sich zulabern, er lässt sich ausziehen, er lässt sich auf Versprechen ein – und er lässt denktechnisch nach! Du bist Deutschland.

    Und die Wirtschaftskrise? Natürlich konnte das keiner „ahnen“. Selbst der beste P(r)olitiker kann unmöglich alles im Überblick haben. Selbst der spitzfindigste Wirtschaftsexperte kann nichts verhindern, wenn es doch keinen interessiert. Selbst die Polizei kann überwachen soviel sie will – auswerten und verstehen kann sie auch unmöglich alles. Selbst die erfahrensten Richter müssten an vielen Stellen zugeben, dass sie es eben aufgrund fehlenden Wissens nicht entscheiden können.

    Wir alle wissen zuviel – wir alle wollen zuviel! So wie die Welt heute noch „funktioniert“, wird sie es noch am perfektesten tun. In 10 Jahren wird alles noch verschärfter und abgründiger sein. Und in 20? Zuviel will ich mir auch nicht ausmalen. Wenn ich schon von der Brücke falle und weiß, dass der Aufprall schmerzhaft sein wird – dann kann ich wenigstens noch etwas Spaß am fallen haben.

    Party on, Wayne!

    Kommentar von AmigoJack — 23. März 2009 @ 22:07 | Antwort


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