Arki's Blog – Wer alles glaubt, muss nichts wissen.

8. April 2009

The Killing Fields – Der Schrecken der Roten Khmer

Kambodscha – nur ein Schattenschauplatz des Vietnamkrieges.
Von 1975 bis 1979 errichteten die Roten Khmer, unter der Führung Pol Pots, ein Terrorregime. Geschätzte 1,7 – 2 Millionen Menschen starben, sie wurden umgebracht, verhungerten, oder starben an Krankheiten. Trotzdem ist dieser Holocaust der Roten Khmer wohl eher unbekannt.

Ich selbe hörte davon zum ersten Mal überhaupt in dem Film „The Killing Fields“. Es ist aber, wie es der Regisseur Roland Joffe selber sagt, kein Antikriegsfilm. Es ist kein politischer Film mit dem Hintergrund einer Freundschaft, sondern ein Film über eine Freundschaft, eine Liebesgeschichte, mit einem historischen Hintergrund. Ein Film über Menschen und Menschlichkeit.
Man könne nur versuchen, Aspekte der Menschen und dem Land Kambodscha abzubilden, es sei aber nicht möglich, alles zu erfassen – so Roland Joffe. Es wird sich tatsächlich nicht allzu viel im Film allein über den geschichtlichen & politischen Hintergrund finden lassen, die Konzentration liegt auf die Menschen im Krieg.
Der Film basiert auf eine wahre Begebenheit von Sydney Schanberg, ein Journalist der New York Times, und seinem Freund und Dolmetscher Dith Pran. Aus Kambodscha berichten sie über den nach Kambodscha ausufernendem Vietnamkrieg. Nach der Machtübernahme der Roten Khmer kann Sydney nicht verhindern, das Dith Pran ihnen ausgeliefert wird.

Die Szene, in der sie es nach einiger Mühe (das amerik. Militär hat ihnen den Zutritt verweigert) nach Neak Luong zu schaffen, und das ganze Ausmaß – amerikanische Bomberflieger hatten aus Versehen die Bomben über Neak Luong Abgeworfen, und die eigentlichen Ziele verfehlt – sahen, ereignete sich tatsächlich so. Tote,sämtliche Häuser zerstört , Sanitäter versuchen verzweifelt, sich um die zahlreichen Verwunderten zu kümmern. Später ist auch zu sehen, wie von den Amerikanern alles „bereinigt“ wird. Tatsächlich wurden kurz nach dem Bombenabwurf auf einer amerik. Pressekonferenz das Ausmaß offiziell als „geringfügige Gebäudeschäden“ bezeichnet.

S. Schanberg sagt selber, sie haben nicht gedacht, die Roten Khmer seien so grausam. Wenn sie gewusst hätten, welches Blutbad sie anrichten würden, hätten sie bei der amerikanischen Evakuierung ihren Posten in Kambodscha aufgegeben und auch geflüchtet.

Den Pardadezug der (angeblichen) Roten Khmer, nach dessen Einzug und Phnom Penh – und die Hoffnung der Bevölkerung auf Frieden – gab es tatsächlich wie im Film dargestellt. Nachdem sie schließlich den Frieden für trügerisch hielten, fuhren sie in ein Krankenhaus (sie fuhren täglich in eines der Krankenhäuser, um sich ein Bild von der Lage zu machen) und sahen, was wirklich vor sich ging. Es war überfüllt von Verwundeten, auf dem Boden sammelten sich Blutlachen.
Auf einer schmalen Brücke vor dem Krankenhaus kamen ihnen schließlich die „richtigen“, und gewaltbereiten Roten Khmer entgegen.
Ihnen wurden die Kameras abgenommen, und in den Panzer gedrängt. Dith Pran versuchte alles, um mitkommen zu dürfen – eig. wollten sie ihn nicht mit rein lassen, weil sie nur die „wichtigen“ Personen im Auge hatten. Alle glaubten, nun würden sie erschossen werden. Dith Pran versuchte ihnen glaubhaft zu machen, es seien keine Amerikaner, sondern französische Journalisten.
Dies ist auch ein Grund – nachdem sie Dith Pran gehen lassen mussten – warum sich S. Schanberg so schuldig fühlte, und sich Vorwürfe machte, er hätte nicht genug versucht. Dith Pran hatte davor sein Leben riskiert, um sie alle zu retten.

Die Roten Khmer deportierten die Bewohner aus Phnom Penh – und auch aus den Provinz-Städten – auf das Land, um eine Agrargesellschaft aufzubauen. Dazu wurden Arbeitslager gebaut – quasi wurde Kambodscha zu einem großen Arbeits- & Gefangenenlager.
Die Arbeiter mussten – nach Jahreszeit – 12 – 14 Stunden pro Tag auf den Reisfeldern arbeiten, bekamen nur geringe Rationen zum Essen, und wurden mittels Propaganda & Gehirnwäsche „umgeschult“.
Alle mussten eine schwarze Einheitskleidung tragen. Das Individuum und die Familie seien nichts wert. Die Individualität wurde ausgelöscht. Einzig die Partei Angkar zähle. Es ist das Jahre null, ein völliger Neubeginn.
Gebildete, Lehrer, Ärzte wurden hingerichtet, auch, wer im Verdacht stand, Kontakt mit Ausländern zu haben – dazu reichte es schon aus, eine Fremdsprache wie Französisch zu können.

Zu den nun startenden Prozessen vor einem Völkermord-Tribunal zeigte arte Reportage schon im Februar eine Reportage.
Es gibt bis heute keine Aufarbeitung, das Terrorregime wird totgeschwiegen.
Nur vereinzelte Lehrer waren bereit, darüber vor der Kamera zu reden. Ein Geschichtslehrer zeigt auch ein Geschichtsbuch – es steht zwar was über z.B. Karl Marx drin, aber nichts über die eigene Vergangenheit.
Auch die Schüler wirken auf die Frage, ob sie etwas über das Regime der Roten Khmer wüssten, zurückhaltend und peinlich berührt – wohl auch, weil viele ihrer Väter z.B. Leite in Gefangenenlager waren.
Nach den Aussagen der Einzelnen lässt sich das Ausmaß der Tragödie erahnen. Die Schulgebäude seien zu Verhörquartieren umgebaut worden. Nach dem Sturz des Regimes waren die Zimmer voller menschlicher Knochen, die sie heraustragen, und die Wände voller Blut, dass sie abwaschen mussten, um in den ehemaligen Schulen wieder unterrichten zu können.
Dagegen wirkt sogar der Film – trotz Szenen, wo Dith Pran durch einem Feld voller Knochen wankt – sogar noch stark untertrieben(!) die Realität war maßlos schlimmer.

Roland Joffe sagt auch, es gebe keine kontrollierten Kriege. Die Kriege, und die Menschen darin, seien unkontrollierbar.
Dies spiegelt sich auch im Film wider. Plötzlich explodiert mitten im Gespräch auf der anderen Straßenseite eine Bombe (diese Anschläge sollen größtenteils von Dissidenten des Militärs, oder Leuten, die einfach nur etwas z.B. gegen das betreffende Café hatten, verübt worden sein! Auch standen diese während dem Ende des Vietnamkrieges an der Tagesordnung), oder unvorhersehbar geht ein Kampf los.

„The Killing Fields“, Roland Joffes erster Spielfilm, finde ich einen sehr bewegenden Film. Im ersten Teil ist die Kamerafahrt sehr dokumentarisch (was es auch um einiges realistischer macht). Die Schauspieler sind sehr gut. Auch die Filmmusik ist immer treffend, die elektronische und fremdartige Musik bei der amerik. Evakuierung, welche dadurch noch bedrückender in Szene gesetzt wird. Oder die Opernmusik während der Deportation durch die Roten Khmer.
Unter anderem Szenen, welche, wie auch der Zusammenbruch des mit Gewissensbissen geplagten Schanberg vor dem TV mit Kriegsbildern , oder schon alleine der Anfang (und vieles weiteres), in Erinnerung bleiben.

Es gibt auch eine Doku (eine Ausgabe der Sendung „Omnibus“) und ein Audiokommentar von Roland Joffe auf der schönen Doppel-DVD von arthaus, welche auch zum Verständnis des Hintergrunds und die Freundschaft zwischen Sydney Schanberg & Dith Pran helfen. (Einziges Manko: Bei meiner DVD habe ich durch einem Druckfehler nur die „Hälfte“ des Booklets, keine Ahnung, ob das später korrigiert wurde.)
Was ich aber leider finde, die Schuldgefühle von Schanberg kommen im Film selber nicht so gut rüber, im Audiokommentar wurde mir einiges klarer.

Kambodscha war ein Nebenschauplatz des Vietnamkrieges, und bekam von der Öffentlichkeit nicht allzu viel Aufmerksamkeit – was sich mit dem Film sicher verbesserte.

Zumindest einem Teil der Schuld haben wohl auch die USA. Unter Nixon und Kissinger wurde der Vietnamkrieg auf Kambodscha – unter der Billigung von Lon Nol – ausgeweitet, um das Land von den Vietcong zu „säubern“. Aus Kambodscha wurde ein brutales Schlachtfeld, aus dem sich die USA später zurückgezogen, und Kambodscha in gewisser Sicht in Stich gelassen haben, dies dürfte den Hass der Roten Khmer – vor allem auf Ausländern – verstärkt haben. Auch war Kambodscha eine französische Kolonie (dies hatte vielleicht auch ein Minderwertigkeitsgefühl gestärkt).

Am Ende der zerfallenden Herrschaft der Roten Khmer entflammte ein Bürgerkrieg. Die Vietnamesen marschierten ein, und stürzten das Regime.

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