Arki's Blog – Wer alles glaubt, muss nichts wissen.

25. Juni 2009

Ein Krieg oder kein Krieg

Filed under: Politik,Wirres Zeug — mrarkadin @ 00:13
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Nachdem 3 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gestorben sind, ist die Debatte wieder losgebrannt und wir sind endlich zur Erkenntnis gekommen. Krass, das ist ja Krieg, was wir da machen.
Gewalt und Blut. Keine Ferien, keine Sandburgenbauen, keine Friedensengel.
Unser Bundeskriegsminister sieht das natürlich differenzierter.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung hatte zuvor verneint, dass sich die Bundeswehr in Afghanistan im Krieg befinde. Neben der militärischen Sicherheit sei der Wiederaufbau ein zentrales Ziel, sagte der Minister in der ARD. „Wenn wir nur über Krieg sprechen, würden wir uns nur auf das Militärische konzentrieren. Und genau das wäre der Fehler“, sagte der Minister.

„Wir sind dort keine Besatzer, sondern wir sind da, um die Sicherheit auch der Bundesrepublik Deutschland zu festigen und zu wahren, indem wir dort dem Terrorismus entgegentreten.“

Nicht auf das Militärische konzentrieren also, und direkt weiter.

Jung forderte nach den neuen Gefechten nahe der nordafghanischen Stadt Kundus eine härtere Gangart der Bundeswehr in Afghanistan. „Wer uns angreift, der wird auch bekämpft. Die Bundeswehr hat dafür die notwendigen Antworten“, sagte Jung am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin. Die Truppe habe für die Kämpfe „auch die notwendigen Reserven, hier Verstärkung vorzunehmen“.

„Wir haben auch die Gefechte in letzter Zeit sehr gut bestanden.
Und das wird auch in Zukunft so sein“, sagte Jung trotz der neuen Opfer unter den Bundeswehrsoldaten. „Wir müssen hier Sicherheit herstellen, um genau in diesem Raum um Kundus herum weiter Wiederaufbau und Entwicklung voranzutreiben.“

Hört sich ja keinesfalls militärisch an. Wie soll so „sicherheit“ hergestellt werden. Und wir treiben Wiederaufbau & Entwicklung an, wie denn das bitteschön mit Kämpfen? Schießen wir etwa Steine für neue Häuser aus dem Boden?
Und welche Terrorgefahr soll für Deutschland bestehen?
Der Krieg wurde nach 9/11 losgetreten, obwohl es keine Verbindungen der Attentäter zu Afghanistan gibt.
Der ganze Afghanistan-Krieg ist sinnlos und unbegründet.

Eine schöne Verlogenheit der „freien Welt“, Krieg führen, bunt angemalte Hände vor’s Gesicht halten und sich die Verwüstung als lulabunte heile Welt vorstellen.

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1 Kommentar »

  1. Hi,

    du hast natürlich Recht, dass die Semantik in den Medien und bei Regierungsvertretern problematisch ist. Wichtig zu beachten dabei ist die Frage, ob wir den Afghanistan-Einsatz der Bw als ‚Krieg‘ bezeichnen oder nicht. Wenn es tatsächlich ‚Krieg‘ wäre, würde es verfassungswidrig sein und wir müssten unser milit. Engagement beenden.
    Die 3 toten Soldaten sind auf genau dieses Problem zurückzuführen. Da die Einsatzregeln (Rules of Engagment = ROE) der Bw Kampfeinsätze und Angriffe auf eigene Faust verbieten bzw. bis jetzt verboten haben, versuchten die Einheiten Talibankämpfer zu einem Angriff herauszulocken, um sich dann zu verteidigen und so legitim zu handeln. Grundsätzlich betonen die ROE’s also den militärisch unterstützten zivilen Wiederaufbau und die Unterstützung bei der Wiederherstellung von Sicherheit für die Bevölkerung.
    In diesen Aktionen und Vorschriften kommt dann der defensive Charakter des Einsatzes zum Vorschein.

    Was den Sinn des Einsatzes angeht, will ich nur kurz vor Augen führen, was die Taliban vor dem eigenen Machtverlust und heute, in Gebieten wo sie wieder an die Macht kamen taten. Öffentliche Exekutionen in Fußballstadien, strikte Umsetzung der Scharia, Zerstörung kultureller/historischer Güter (vgl. die buddhistischen Statuen) und nicht zu vergessen die Ermöglichung von terroristischen Ausbildunglagern, in denen z.T. auch die 9/11 Attentäter waren. Und was geschieht heute? Mädchen wird der Schulunterricht verboten und die durch diesen Einsatz und die OEF nach Pakistan gedrängten Taliban richten wieder fröhlich zu ‚westlich‘ Orientierte (aus Talib-Sicht nicht islamisch genug) hin.

    Unsere überaus reiche (materiell, ideell, moralisch, ethisch) Gesellschaft trägt an dieser Stelle einen menschenrechtlichen Beitrag bei, der dem Ganzen prinzipiell zu Grunde liegt. Was aus Entwicklungshilfe wird, wenn sie nicht in einem solchen Maße unterstützt wird, sehen wir in Somalia, in Palästina und in anderen Failed-States. Extremistische Gruppierungen mit Waffen- und Gewaltmonopol setzen sich über die Menschen des Landes und wirken nicht für deren Interessen, sondern für ihre eigenen, ergo für den Machterhalt. Sie erhalten zugleich die Kontrolle über die Hilfsgüter und verwenden sie zu ihren Zwecken (Tunnel- und Bunkerbau in Gaza bwps.).

    Natürlich darf man den Einsatz besonders der US-Truppen nicht kritiklos hinnehmen. Solche Fehler, wie die Bombardierung von Zivilisten bei der Jagd auf Terroristen sind nicht annehmbar und müssen Folgen mit sich ziehen. Die Art und Weise, wie die ‚westlichen‘ Soldaten mit der Kultur und der Religion im Nahen und Mittleren Osten, in der Arabischen Welt, hat statt Arroganz nicht nur Toleranz zu sein, sondern muss auf Respekt basieren. So lässt sich vermutlich der relative Erfolg, des Human-Terrain-Programms der US-Armee im Irak erklären. Dort hat eine neue irakische Armee nun den Oberbefehl, in Gesprächen und bei Verhandlungen wurde den US-Soldaten vorher Grundlagen zum Verhalten in einer islamischen Welt beigebracht und die anfängliche Arroganz der Truppen ist nun einem Verhalten von Respekt gewichen.

    Ich bin und war ein Gegner des Irak-Einsatzes, der für mich nicht gerechtfertigt war und auf Lügen basierte. Auch kann ich nicht sagen, ob die Opfer dem Resultat eines relativ demokratischen und freien Irak gerecht werden und einen Sinn geben. Die Geschichte lässt sich nicht ändern, aber wir müssen aus der Vergangenheit lernen. Das heißt für mich für Afghanistan eine Exit-Strategie, mehr Soldaten mit einer besseren Ausrüstung, ein klareres Einsatzmandat mit ROE’s, die der Sicherheit der Soldaten dienen und eine bessere Aufklärung in Deutschland über das, was dort geschieht und geplant wird. Ein einfaches ‚Raus aus Afghanistan‘ befriedigt bei weitem nicht.

    Kommentar von tjolp — 1. Juli 2009 @ 14:00 | Antwort


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